Einführung

Angsttherapie

Die meisten von uns haben im Laufe ihres Lebens neben schönen auch kleine und große schmerzhafte Erfahrungen gemacht, die aus verschiedenen Gründen teilweise nie verarbeitet werden konnten und beim genauen Hinschauen immer noch wehtun. Aus diesen Ereignissen sind Überzeugungen entstanden wie zum Beispiel "ich bin nicht gut genug", "ich bin nicht liebenswert", "ich darf nicht auffallen". Solche Überzeugungen bestimmen unser Leben auch im Erwachsenenalter weiterhin. Sie lenken unser Fühlen und Handeln auch dann, wenn sie uns schon lange nicht mehr hilfreich sind, sondern unser Dasein einschränken und unser Entwicklung behindern.

Bei jedem schmerzhaften Ereignis entstehen in unserem Gehirn synaptische Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Jedes weitere Ereignis, das uns an diese ursprüngliche schmerzhafte Situation auch nur unbewusst erinnert, aktiviert automatisch die gleichen Nervenwege, um dieser Gefahr schnell aus dem Weg zu gehen (und zwar genau in der Art und Weise, wie wir es früher gelernt und gemacht haben). Ein einfaches Beispiel dafür wäre ein Mann, der eine scheinbar irrationale Angst vor einer kleinen Spinne hat, weil er als kleines Kind eine beängstigende Erfahrung mit einer Spinne machte, als seine Mutter sehr laut beim Anblick einer Spinne geschrien hatte.

Aufgrund der Neuroplastizität (Anpassungsfähigkeit und Formbarkeit des Gehirns) ist es möglich, diese Verbindungen zwischen Ereignissen/Objekten, Emotionen und Überzeugungen, die in unserem Gehirn entstanden sind, zu lösen und neue Verbindungen, die uns dienlich sind, herzustellen. Die EFT-Klopfakupressur ist eine dafür hervorragend geeignete Methode.

Der alte Schmerz muss bei einer EFT-Behandlung nicht nochmals durchlebt werden; er muss noch nicht einmal verstanden werden, um ihn endgültig loszulassen.

Das negative Ereignis kann dann zwar weiterhin erinnert werden, aber es ist von den unangenehmen Emotionen dauerhaft entkoppelt und die negativen Überzeugungen verändern sich hiermit oft automatisch. Auch bewirkt eine Reduktion der emotionalen Belastung, dass der Patient wieder rational denken kann.

Was ist die EFT-Klopfakupressur?

EFT steht für „Emotional Freedom Techniques“, was auf Deutsch „Techniken der emotionalen Freiheit“ heißt. EFT wird auch als Klopfakupressur bezeichnet.

EFT beinhaltet Erkenntnisse aus der Meridianlehre (aus der Traditionellen Chinesischen Medizin), NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), der Psychoanalyse, dem EMDR und der modernen Hirnforschung.

Geschichte der Klopfakupressur

Der US-amerikanische Psychotherapeut Roger J. Callahan (1925 - 2013) gilt als der Begründer der Klopfakupressur. Er entwickelte Ende der 1970er Jahre die Klopfakupressur-Methode Thought Field Therapy (TFT), nachdem er durch einen Zufall erlebte, wie eine schwerste Wasserphobie bei seiner Patientin, die er schon seit 18 Monaten erfolglos behandelte, nach dem Beklopfen von nur einem Akupunkturpunkt spontan verschwunden war und nie wieder kam.

Callahan hatte angenommen, dass die Gedanken und Gefühle mit dem Energiefeld des Körpers in Beziehung stehen. Wird das Energiefeld durch das Klopfen bestimmter Akupunkturpunkte verändert, so können sich sowohl negative Gedankenmuster, als auch negative Emotionen auflösen.

Anfang der 1990er Jahre entwickelte ein Schüler von R.Callahan, Gary Craig, aus dem TFT die „Emotional Freedom Techniques“. Eine wesentliche Innovation von Gary Craig ist die Standardisierung des Klopfablaufs. Unabhängig davon, welches Thema zu bearbeiten ist, beklopft man immer dieselben Akkupunkturpunkte in der gleichen Reihenfolge.

Die Klopfakupressur wurde seither vielfach weiterentwickelt und es entstanden auf ihrer Basis Methoden wie z. B. das systemische EFT, Matrix Reimprinting und TBT (Trauma Buster Technique).

Neurobiologische Wirkhypothese

Neben dem energetischen Erklärungsmodel gibt es auch eine neurobiologische Wirkhypothese. Das Beklopfen von Akupunkturpunkten führt zur Entspannung und Absinken des Cortisolspiegels. Wenn wir uns im Zustand der Entspannung an ein negatives Gefühl einstimmen, kommt es vermutlich zur Interferenz von 2 entgegengesetzten Reizen (Stress und Ruhe). Das führt wiederum zur Abnahme der synaptischen Verbindungen zwischen Neuronen, die den Angstauslöser kodieren und Neuronen, die eine Stressreaktion auslösen.

Wissenschaftliche Publikationen

Verweise auf wissenschaftliche Publikationen finden Sie z. B. im Artikel "Neue Methoden und Techniken in der Psychotherapie" vom Dipl.-Psych. Christof T. Eschenröder im Psychotherapeutenjournal 2/2014 auf den Seiten 148ff.

Anwendungsgebiete und Kontraindikationen

Anwendungsgebiete von EFT sind prinzipiell alle psychischen und auch körperlichen Probleme, bei denen Emotionen eine Rolle spielen. Die wichtigsten und am häufigsten wissenschaftlich untersuchten Indikationen sind Ängste, Phobien, Traumafolge-Störungen, Raucherentwöhnung, Essstörungen sowie Leistungssteigerung bei Sportlern.

Kontraindiziert ist die Klopfakupressur in den akuten Phasen einer Schizophrenie sowie in akuten Phasen der affektiven und schizoaffektiven Psychosen.

Wie läuft eine Klopfakupressur-Sitzung ab?

Das Grundprinzip sieht folgendermaßen aus: Zuerst erstellen wir eine Karte des Problems mit allen Aspekten und dazugehörigen Emotionen. Wir schauen, welche Empfindungen in Ihrem Körper bei dem Gedanken an das Problem entstehen. Dann, während Sie das Gefühl oder Körperempfinden benennen, beklopfen Sie nach meiner Anleitung bestimmte Akupunkturpunkte in Ihrem Gesicht, am Oberkörper und an den Händen. Dadurch lösen sich die Spannungen im Körper und die negativen Emotionen werden von den auslösenden Objekten (Reizen) entkoppelt. Wir überprüfen dann die Stärke der Emotion anhand einer Skala und am Ende erarbeiten wir eine positive Aussage, die den von Ihnen gewünschten emotionalen Zustand beschreibt. Mit dieser positiven Aussage klopfen wir noch einige Runden, bis sich beim Denken an das ursprüngliche Problem ein körperliches und emotionales Wohlempfinden einstellt. Selbstverständlich kommen zusätzlich verschiedene andere Techniken zum Einsatz, je nach Problem und Persönlichkeit des Klienten.

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